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Archiv 2005

Gründerväter bewiesen Mut und Zivilcourage

Bericht der Badischen Neuesten Nachrichten vom 19. 10. 2005 über unsere Jubiläumsfeier:

Im Herbst 1905 hatte alles seinen Anfang genommen. Damals wurde der badische Landtag erstmals direkt gewählt. Der Linkenheimer Bierbrauer Gustav Ritz stellte sein Lokal einem sozialdemokratischen Redner zur Verfügung, was für ihn den Ausschluss aus dem Militärverein zur Folge hatte. Aus Solidarität erklärten daraufhin 27 Linkenheimer Männer ebenfalls ihren Austritt aus dem Verein. Im November 1905 gründeten sie gemeinsam den sozialdemokratischen "Wahlverein Linkenheim".

Heute ist aus dem "Wahlverein" von damals ein "Ortsverein" geworden, der Mitgliedsbeitrag dürfte die 20-Pfennig-Marke von damals längst überschritten haben und die Parteimitglieder müssen auch nicht mehr befürchten, geächtet zu werden. "Die Initiatoren der Sozialdemokratie in Linkenheim-Hochstetten mussten damals zwar nicht mit Strafen rechnen, dennoch bedeutete das Bekenntnis zu ihren politischen Idealen für sie unter Umständen gesellschaftliche Nachteile", erinnerte Jürgen Kreutz, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. "Trotzdem den Schritt zur Gründung eines sozialdemokratischen Vereins zu wagen, erforderte eine Menge Mut und Zivilcourage."

Ganz im Zeichen der Historie standen die Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Bestehens des SPD-Ortsvereins im Foyer des Bürgerhauses Linkenheim. Und so blickte man zurück auf ein Jahrhundert Sozialdemokratie in Linkenheim-Hochstetten: Zwei Weltkriege, den Nationalsozialismus und viele politische Umwälzungen im In- und Ausland hat der SPD-Ortsverband überstanden.

Jörg Tauss, Bundestagsabgeordneter der SPD, bettete in seiner Ansprache die Gründung des SPD-Ortsvereins in den historischen Kontext ein. "Im Ruhrgebiet beispielsweise gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts heftige soziale Auseinandersetzungen", erinnerte er. „Drei Viertel der Arbeiter im Bergbau befanden sich im Streik." Die kritische Situation im Inland sei vermutlich Nährboden für die Parteigründung gewesen, so Tauss. Ein weiterer Aspekt seien jedoch auch profunde politische Veränderungen im Ausland gewesen, zum Beispiel die Russische Revolution, die das Jahr 1905 zu einem politisch sehr bewegten machten.

Besonders stolz ist der SPD-Ortsverein Linkenheim-Hochstetten auf sein historisches Protokollbuch. Der erste Schriftführer des Wahlvereins, Albert Nagel, legte es im Jahre 1907 an. "Dieses Buch ist ein wertvolles Stück Geschichte unserer Gemeinde", so Bürgermeister Günther Johs. "Gerade weil so viele historische Dokumente im Laufe der Zeit zerstört wurden oder verloren gegangen sind." Als Geschenk zum Jubiläum überreichte das Gemeindeoberhaupt einen Scheck, der zur Aufarbeitung des Protokollbuchs verwendet werden soll. "Dieses wertvolle Zeitzeugnis muss unter allen Umstände erhalten bleiben", so Johs. Das 100-jährige Bestehen der SPD in der Gemeinde sei kein Anlass, um über die aktuelle Bundespolitik zu diskutieren, sondern solle als Gelegenheit zum Innehalten und Erinnern verstanden werden, so Johs weiter.

Im Anschluss an die Grußworte folgten Mitglieder, Freunde und Gönner des SPD-Ortsvereins einem Beschluss des sozialdemokratischen Wahlvereins aus dem April des Jahres 1913. Damals hatte der Schriftführer nieder geschrieben: "Die Mitglieder haben beschlossen, sich am 1. Mai 1913 gemütlich zu verlustieren." Zwar schrieb man inzwischen Oktober 2005, aber das "Verlustieren" hat man bei den Sozialdemokraten in den vergangenen hundert Jahren nicht verlernt.

Katja Stieb
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