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Chronik 1933

1933

28. Januar
Reichskanzler Schleicher tritt zurück.
30. Januar
Hindenburg beauftragt Adolf Hitler mit der Regierungsbildung.
1. Februar
Hindenburg löst auf Wunsch Hitlers den Reichstag auf.
11. Februar
Die am Vortag gegründete Kampffront Schwarz-Weiß-Rot beschließt die Teilnahme an den Reichstagswahlen und will Hitler unterstützen.
20. Februar
25 führende Wirtschaftsvertreter spenden der NSDAP bei einem Geheimtreffen mit Hitler drei Millionen Reichsmark für den Reichstagswahlkampf.
27. Februar
Reichstagsbrand
28. Februar
Der "Vorwärts", die Parteizeitung der SPD, wird vorläufig verboten.
3. März
Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wird in Berlin verhaftet.
5. März
Bei der Reichstagswahl erreicht die NSDAP 43,9%, die SPD 18,3%, die KPD 12,3% der Stimmen.
20./21. März
Die ersten Konzentrationslager zur Internierung von politischen Gegnern der Nationalsozialisten werden eingerichtet.
23. März
Der Reichstag billigt das Ermächtigungsgesetz. Nur die SPD stimmt dagegen. Otto Wels begründet die Ablehnung.
26. April
Reichskonferenz der SPD in Berlin
1. Mai
Auf Weisung der Reichsregierung wird der 1. Mai zum "Feiertag der nationalen Arbeit".
2. Mai
SA und SS besetzen die Einrichtungen des ADGB und der Einzelgewerkschaften. Die Gewerkschaften werden zerschlagen.
6. Mai
Der Verlag des "Führer" übernimmt das Gebäude des "Volksfreund" in Karlsruhe.
9. Mai
Das Vermögen der SPD wird beschlagnahmt.
10. Mai
Die Deutsche Studentenschaft organisiert Bücherverbrennungen von Werken oppositioneller und jüdischer Autoren.
16. Mai
Sieben Karlsruher Sozialdemokraten werden nach einer Schaufahrt durch die Stadt in das KZ Kislau überführt.
10. Juni
Letzte Sitzung der SPD-Reichstagsfraktion
11. Juni
Fortuna Düsseldorf wird Deutscher Fußballmeister (3:0 im Endspiel gegen Schalke 04).
22. Juni
Die SPD wird verboten, ihr gesamtes Vermögen wird beschlagnahmt. Für SPD-Mitglieder ergeht ein Berufsverbot.
14. Juli
Die Reichsregierung verbietet die Neubildung von Parteien.

Das Ende der Republik

Protokollbuch Seite 109

Am Tag vor der Machtergreifung halten die Linkenheimer Sozialdemokraten ihre Generalversammlung ab, die letzte vor den kommenden "tausend" Jahren. Vor der Reichstagswahl im März wird noch eine Wahlversammlung durchgeführt, danach ist ein öffentliches Auftreten nicht mehr möglich.

Das Protokollbuch wird über zwölf Jahre Verbot und Verfolgung sicher verwahrt und übersteht auch den 2. Weltkrieg unbeschadet.

Bericht von der Generalversammlung im gr. Baum am 29. I. 1933

Der Vorstand begrüßte die Erschienenen, eröffnete die Versammlung und gab die Tagesordnung bekannt, welche nicht beanstandet wurde.

1. Punkt: Geschäfts- und Kassenbericht.

Das vom Schriftführer verlesene Protokoll und der vom Kassier erstattete Kassenbericht welcher den Stempel der Wirtschaftskrise trug, wurden nicht beanstandet, und konnte der Vorstand mit Zustimmung der Versammlung Entlastung erteilen. Dann gab der Vorstand einen Rückblick über das an Funktionärsarbeit überaus reiche Jahr; wobei er besonders die Wahlen und die Stimmergebnisse behandelte, worüber eine rege Diskussion einsetzte. Mit der Mahnung des Vorstandes an die Genossen sich aktiv im Interesse unserer Partei zu betätigen war dieser Punkt erledigt.

2. Punkt. Neuwahlen:

Die alte Verwaltung wurde einstimmig wiedergewählt.

3. Punkt. Wahl eines Delegierten zur Kreiskonferenz.

Hierzu wurde ein Beschluß gefaßt, in Zukunft den Delegierten ein Kostenzuschuß aus der Kasse zu leisten. Derselbe soll je nach der Entfernung von Fall zu Fall von der Verwaltung nicht unter 2 M festgesetzt werden.

4. Punkt. Veranstaltungen betr:

Eine Maifeier soll wieder im Rahmen der letztjährigen veranstaltet werden und zwar am Sonntag abend den 30. April.

5. Punkt. Verschiedenes.

Bei diesem Punkt kam unter anderem die Holzmachsteigerung des Gen. Wilh. E. Lang zur Sprache, wobei es sich herausstellte, daß der Sachverhalt ein ganz anderer als wie in der sogenannten Arb. Zeitung dargelegt ist. Unseren Gen. trifft nur der eine Vorwurf daß er sein Angebot nicht bei der Steigerung machte.

Die Arbeiter-Zeitung, Organ der KPD für Baden, erschien seit 1922 als Tageszeitung in Mannheim.

Des weiteren wurden auch von Mitgl. der K.P.D. aufgestellte unwahre Behauptungen gegen unseren Gen. Bürgermstr. Heuser durch die Gemeinderäte Gen. Dürr und Nees wiederlegt und so deren wahre Klassenkampf gekennzeichnet.

Hier tut Aufklärung not damit man diesen Herrschaften gleich sagen kann daß sie lügen. Man einigt sich auch daß in Zukunft zu diesem Zweck mehr Zusammenkünfte sein sollen.

Mit der Mahnung auch in diesem Jahr treu zusammenzuhalten schloß der Vorstand die Versammlung.

Mit "Freiheit" der Schriftführer F. Ritz

Zu der durch die Wiederauflösung des Reichstags notwendig gewordenen Reichstagswahl am 5. März fand im Löwen am 26. Febr. nachmittags eine öffentliche Wählerversammlung statt, wobei Gen. Flößer Karlsruhe die Wahlrede hielt. Der Besuch war mäßig.

Der Redner war vermutlich der Karlsruher Stadtrat Karl Flößer, der schon bei der Maifeier 1926 die Festrede gehalten hatte.

Die Reichstagswahl hatte hier folgendes Ergebnis:

Nat.S. 774 Stimmen, Spd 132, Kom. 197, sch w.rot 54, D.Vp 5, f.W. 12, Sta. 2

Demnach konnte unsere Partei gegenüber Nov. 31 Stimmen gewinnen.

Mit "Freiheit" Fr. Ritz Schriftf.

1932  nach oben 1945

Unsere Grundwerte: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität

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