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Chronik 1929

1929

6. Januar
Der stellvertretende Propagandaleiter der NSDAP, Heinrich Himmler, wird zum Reichsführer der SS ernannt.
31. Januar
Der Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque erscheint im Ullstein-Propyläen-Verlag.
28. Februar
Die Zahl der in Deutschland registrierten Arbeitslosen ist auf 3,2 Millionen gestiegen.
17. März
Verkauf der Opel-Werke in Rüsselsheim an General Motors.
4. April
Carl Friedrich Benz stirbt in Ladenburg.
1. Mai
Während der Maikundgebungen kommt es in vielen Städten zu Unruhen (Blutmai).
19. Mai
Eröffnung der Weltausstellung in Barcelona
26.-31. Mai
Parteitag der SPD in Magdeburg
9. Juli
Alfred Hugenberg (DNVP) bildet zusammen mit Adolf Hitler (NSDAP) und anderen den "Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren gegen den Young-Plan".
22. Juli
Die "Bremen" erhält das "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung (4 Tage, 18 Stunden, 17 Minuten).
28. Juli
Die SpVgg Fürth wird Deutscher Fußballmeister (3:2 im Endspiel gegen Hertha BSC Berlin).
6. Oktober
"Das freie Wort", wöchentliches sozialdemokratisches Diskussionsorgan, erscheint zum ersten Mal.
25. Oktober
Der "Schwarze Freitag" an der New-Yorker Börse leitet die Weltwirtschaftskrise ein.
27. Oktober
Bei der Landtagswahl in Baden erreicht die SPD 20,07% der Stimmen und 18 von 88 Sitzen.
29. Oktober
Bei Ende der Einschreibungsfrist erreicht das Volksbegehren gegen den Young-Plan knapp das erforderliche Zehntel aller Eintragungsberechtigten.
30. November
Der Reichstag lehnt mit großer Mehrheit den Entwurf des "Gesetzes gegen die Versklavung des deutschen Volkes" ab.
22. Dezember
Der Volksentscheid über das "Gesetz gegen die Versklavung des deutschen Volkes" scheitert.

Ärger mit der Parteipresse

Protokollbuch Seite 79

Der Ortsverein geht mit unverändertem Vorstand in das Jahr 1929. Bürgermeister und SPD-Gemeinderäte weichen von Beschlüssen des Ortsvereins ab und werden von der Mitgliederversammlung verwarnt.

Ein Artikel im "Volksfreund" erregt den Unmut der Genossen. Die Auseinandersetzungen eskalieren nach der Landtagswahl und gipfeln im Parteiaustritt des Bürgermeisters und zweier Gemeinderäte.

Bericht von der Generalversammlung

Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Wahl des Gesamtvorstandes. 3. Wahl eines Delegierten zum Kreistag in Karlsruhe 4. Verschiedenes.

1. Geschäftsbericht über das verflossene Jahr 1928.

Das Jahr war für die Partei ein Kampf- und Arbeitsjahr, denn schon am Anfang mußte gerüstet werden für die am 20. Mai stattfindenden Reichstagswahlen, welche der Partei im Gesamten einen schönen Erfolg brachten. Nur hier in der Gemeinde war das Ergebnis nicht zufriedenstellend, denn wir hatten einen Stimmenverlust den letzten Wahlen gegenüber zu verzeichnen.

Unsere Mitgliederzahl verringerte sich um ein Mitglied, welches uns durch den Tod entrissen wurde.

Die Parteipresse konnte auch auf der vorjährigen Abonnentenzahl gehalten werden, was durch Abbestellung verloren ging konnte durch neugewonnene Abonnenten wieder ausgeglichen werden.

Die stattgefundenen Vereins- sowie öffentliche Versammlungen hatten immer einen nur mäßigen Besuch aufzuweisen.

Der vom Kassier W. Heuser erstattete Kassenbericht wurde von niemand beanstandet und so konnte ihm der Vorstand für seine Mühe und Arbeit den Dank des Vereins aussprechen und ihm Entlastung erteilen.

2. Punkt. Wahl des Gesamtvorstandes war schnell erledigt da der alte Vorstand einstimmig wiedergewählt wurde.

3. Punkt. Wahl eines Delegierten zum Kreistag in Karlsruhe am 4. Febr. wurde der Vorstand bestimmt.

4. Punkt. Verschiedenes. Wie das letzte Jahr so soll auch dieses Jahr eine Maifeier abgehalten werden und wurde der 5. Mai hierzu in Vorschlag gebracht. Näheres soll in der nächsten Versammlung besprochen werden.

Da die Rathausfraktion noch verschiedene Punkte zu besprechen hatte wurde die Versammlung geschlossen.

Berichterstatter der Vers. war L. Ratzel 1.Vs.

Der Schriftführer Fr. Ritz

Versammlungsbericht vom 29. März 1929 im Lamm

Tagesordnung: 1. Punkt. Maifeier 2. Punkt. Rundschreiben 3. Punkt. Verschiedenes

Zum 1. Punkt einigte man sich dahingehend daß am 1. Mai nachmittags 3 Uhr im Lokal eine Zusammenkunft der Genossen stattfinden und am Sonntag den 5. Mai im "Baum" eine Tanzunterhaltung abgehalten werden soll.

Zum 2. Punkt wurde über die [unleserlich], Volkskirchenbund und Arbeitersport gesprochen, worüber in nächster Zeit ein Vortrag gehalten werden soll.

Bei Punkt Verschiedenes war es etwas lebhafter, weil die Genossen Bürgermeister Heuser und die Gemeinderäte Dürr und Günther den Beschluß der Partei betr. Schießstand des Militärvereins nicht gehalten haben. Die Genossen Dürr und Günther erhielten durch Versammlungsbeschluß eine Verwarnung. Gegen Bürgermeister Heuser der nicht anwesend war wurde die betr. Maßnahme zurückgestellt bis zur nächsten Versammlung die am 6. April stattfinden soll.

Bei dieser Gelegenheit betr. Schießstand wurde angeregt daß wir einen Arbeiterschützenverein gründen wollen.

Als die Arbeitsvergebung der Kanalisation zur Sprache kam betonte Gemeinderat Günther daß man (bei) Vergebung einer solchen Arbeit sehr vorsichtig sein muß daß dieselbe auch richtig ausgeführt wird, ohne daß Nachwehen entstehen.

Berichterstatter Wilh. Heuser, Kassier

Der Schriftführer F. Ritz

Versammlungsbericht vom 20. April 1929 im Lamm

Tagesordnung: 1. Punkt Maifeier 2. Punkt Verschiedenes

Nachdem Karl Nees, Gipser, erklärt hatte daß der hiesige Baugewerksbund bereit sei an einer Maifeier am 1. Mai mit Demonstrationszug teilzunehmen wurde beschlossen daß dieselbe am 1. Mai stattfinden soll. Die Zeit der Zusammenkunft und Abmarsch des Zuges wird noch näher bekannt gegeben.

Der 1922 gegründete Baugewerksbund verstand sich als Gewerkschaft aller in der Bauindustrie Beschäftigten. Davor waren Maurer, Zimmerer, Glaser, Dachdecker etc. in jeweils eigenen Verbänden organisiert.

Am Sonntag dem 5. Mai soll dann Abends 8 Uhr im Saal zum grünen Baum Tanzunterhaltung sein. Tanzgeld wird wie üblich festgesetzt.

Beim Punkt Verschiedenes entsteht eine scharfe Diskussion über das Verhalten des Genossen Bürgermeister Heuser betr. des Schießstandes. Auf Antrag des Gen. Emil Ratzel, Postbote wurde beschlossen auch dem Bürgermeister eine Verwarnung zu erteilen (eingefügt: und auch erteilt wurde). Weiter wurde auf Antrag des E. Ratzel beschlossen für die Bibliothek das Buch zu kaufen Im Westen nichts Neues.

Sodann kamen noch die Kanalisationsarbeiten zur Sprache. Es wurde eine Kommission gewählt die feststellen soll wie Vertragspflichten betr. Arbeitslosenbeschäftigung von hier, von der Firma Stumpf eingehalten werden. Diese Kommission soll dieserhalb beim Bürgermeister vorstellig werden. Genannte Kommission sind Karl Nees, Maurer, Karl Nees, Gipser und Albert Hesselschwerdt.

Der Schriftführer, Fr. Ritz

Die am 1. Mai stattgefundene Maifeier darf den örtlichen Verhältnissen entsprechend als gelungen bezeichnet werden.

Auch bei der am 5. Mai abgehaltenen Tanzunterhaltung kam der Parteiverein auf seine Rechnung.

Der Schriftführer
Fr. Ritz

Versammlungsbericht vom 13. Juli im Lamm

Als erster Punkt wurde vom Schriftführer das Protokoll der letzten Versammlung verlesen. Dann erstattete der Kassier W. Heuser den Rechnungsbericht von der am 5. Mai stattgefundenen Tanzmusik. Das Ergebnis löste allgemeine Befriedigung aus. Nachdem wurden die Rundschreiben vom Sekretariat zur Kenntnis genommen.

Bei Punkt Verschiedenes gab Genosse Karl Nees den Bericht von der in der letzten Versammlung gewählten Kommission betr. Arbeitslosenbeschäftigung von hier bei den Kanalisationsarbeiten. Aus dem Bericht ging hervor, daß das in der letzten Versammlung Vorgebrachte bei näherer Untersuchung nur eine kommunistische Mache gegen unsere Genossen auf dem Rathaus war.

Der Schriftführer
F. Ritz

Bericht von der Versammlung am 7. Sept. im Lamm

Tagesordnung: 1. Punkt Bericht von der Gemeindevertreterkonferenz in Knielingen. 2. Rundschreiben vom Sekretariat. 3. Artikel im Volksfreund. 4. Verschiedenes

Zu 1. Punkt erstattete der Vorstand L. Ratzel den Bericht über das Referat, gehalten von Gen. Schäufele über Kulturpolitik in den Gemeinden. Er gab seinem Bedauern Ausdruck daß die Gemeindevertreter immer keine Zeit haben diese Konferenzen zu besuchen. Die Diskussion zu diesem Punkt war sehr rege.

Bei 2. Punkt wurde die im Rundschreiben empfohlene Zeitschrift Das freie Wort in 2 Exemplaren bestellt, eines ab 1. 1. 30 auf Kosten des Vereins. Auch wurde auf die Wahlkreiskonferenz im Volkshaus Karlsruhe hingewiesen. Delegierte wurden nicht bestimmt.

Bei 3tem Punkt gibt Genosse Fr. Günther Aufklärung über den am 9. Sept. im Volksfreund erschienenen Artikel überschrieben Die Arbeitsbeschaffung der Gemeinden. Er konnte an Hand von Unterlagen gerade das Gegenteil der in dem Artikel aufgestellten Behauptungen feststellen. Die Handlungsweise unserer Genossen auf dem Rathaus wurde einstimmig gutgeheißen. Es wurde dann noch eine Pressekommission gewählt welche einen Gegenartikel einsenden soll und fernerhin die Aufgabe hat alle wichtigen Begebenheiten seien es Berichte von Versammlungen, Bürgerausschutzsitzungen usw. im Volksfreund erscheinen zu lassen damit man sieht daß in Linkenheim die Partei auch noch da ist.

Die Pressekommission besteht aus den Genossen Fr. Günther, Ludw. Ratzel u. F. Ritz.

Ritz, Schriftführer

Stimmzettel Landtagswahl

Ergebnis der Landtagswahl 1929

Auf der Rückseite ist vermerkt: Wahlberechtigte: 1330, abgegebene Stimmen: 635.

Die am 27. Oktober stattgefundene Landtagswahl hatte hier das Ergebnis wie auf beigeklebtem Stimmzettel angegeben.

Auf der Rückseite ist noch vermerkt: Wahlberechtigte: 1330; abgegebene Stimmen: 635.

Demnach lag die Wahlbeteiligung bei 47,7%, die SPD erreichte 27,9% der gültigen Stimmen.

Versammlungsbericht vom 16. Nov. 1929 im Lamm

Da der 1. Vorstand zur Zeit krank ist und daher nicht anwesend sein kann eröffnete der Schriftführer die Versammlung und gab die Tagesordnung bekannt wogegen niemand etwas einzuwenden hatte.

Das zum 1. Punkt von der letzten Versammlung verlesene Protokoll wurde nicht beanstandet.

Bei Punkt 2 stattgefundene Landtagswahl betreffend ergab die Aussprache daß alle Genossen ihrer Wahlpflicht genügt haben. Nur hätten sie sich bei der Wahlarbeit besser beteiligen sollen, damit man nicht von 18 M, die durch Sammelliste eingegangen, wieder 11 M für Flugblattverbreitung hätte ausgeben müssen.

Beim dritten Punkt Artikel im Volksfreund betr. wurde auf Antrag von Genosse Bürgermeister Heuser beschlossen daß die Pressekommission einen Schriftsatz aufsetzen und an die Redaktion des Volksfreund und an das Parteisekretariat senden soll aus dem hervorgeht daß wir von der Redaktion bezw. vom Sekretariat verlangen nichts unversucht zu lassen, den Artikelschreiber Gretschmann zu veranlassen, daß er die ganzen falschen Anschuldigungen welche gerade gegen unsere Genossen auf dem Rathaus gerichtet waren, restlos zurücknimmt, andernfalls wir gezwungen sind, die Presse, welche ohne zu prüfen diese falsche Anschuldigungen gegen unsere Genossen an die Öffentlichkeit gebracht hat, zu sperren.

Bei Punkt 4 Parteipresse mußte man sich, da der Filialinhaber nicht anwesend war, darauf beschränken festzustellen daß die Zustellung der Presse zur Zeit zu keinen Klagen Anlaß gibt. Es sollen aber in Zukunft, die Lokale und Geschäfte in welchen der Volksfreund aufliegt von Zeit zu Zeit in demselben veröffentlicht werden.

Bei Punkt Verschiedenes kamen die Gemeindevertreter-Konferenzen zur Sprache. Es ist allgemeiner Wunsch immer am Tage vorher eine Mitgliederversammlung abzuhalten, damit die Teilnehmer an der Konferenz bestimmt werden, oder dieselben sich melden können.

Auch das Hugenbergbegehren wurde erörtert. Dabei meinte Bürgermeisterr Heuser für die meisten fürzeichner hätte die Liste beim Gemeinderechner aufliegen sollen.

Das von Hugenberg, Hitler und anderen initierte Volksbegehren gegen den Young-Plan erreichte knapp die erforderliche Zahl von Unterstützern, der folgende Volksentscheid scheiterte deutlich.

Weiter wurde beschlossen im Laufe des Winters eine öffentlichen Vortrag über den §218 und die Frage der Geburtenregelung abzuhalten.

Ritz, Schriftführer

Versammlungsbericht vom 6. Dez. im Lamm

Indem der Vorstand Ludwig Ratzel die Erschienenen begrüßte eröffnete er die Versammlung deren Zweck die Behandlung der Angelegenheit Gretschmann sein soll. Zuvor wurde vom Schriftführer das Protokoll der letzten Versammlung verlesen welches nicht beanstandet wurde. Danach gab der Vorstand bekannt daß in obengenannter Angelegenheit eine Kommission auf dem Rathaus getagt und diese sich auf den Standpunkt gestellt hat daß die Angelegenheit nur gerichtlich entschieden werden kann und zwar durch den gesamten Gemeinderat gegen Gretschmann und es erst nachher Sache der Partei wäre gegen Gretschmann vorzugehen. Inzwischen haben unsere drei Genossen Bürgermeister Heuser Gemeinderat Dürr und Günther in einer gemeinsamen Austrittserklärung ihren Austritt aus der Partei erklärt.

Nach längerer Debatte gelangte auch die Versammlung zur selben Ansicht wie die Kommission auf dem Rathaus. Es wurde beschlossen daß nur eine gerichtliche Entscheidung die ernste Aufklärung bringen kann.

Nachdem noch sonst verschiedene Fragen erörtert waren konnte der Vorstand die Versammlung schließen.

Der Schriftführer
Fr. Ritz

1928  nach oben 1930

Unsere Grundwerte: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität

© SPD-Ortsverein Linkenheim-Hochstetten - zuletzt geändert am 30. März 2010 - Impressum + Kontakt