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Chronik 1926

1926

1. Januar
Die SPD hat 654 457 männliche und 151 811 weibliche Mitglieder in 7967 Ortsvereinen.
19. Januar
Der Parteivorstand der SPD beschließt die Teilnahme am Volksbegehren zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten.
3. Februar
Hans-Jochen Vogel wird in Göttingen geboren.
15. Februar
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erreicht mit 2,4 Millionen einen neuen Höchststand.
23. Februar
Deutsche Premiere des Films "Goldrausch" von Charles Chaplin.
17. März
In einem Volksbegehren sprechen sich 12,5 Millionen Wahlberechtigte (31,8%) für den Gesetzentwurf zur Enteignung der Fürstenhäuser aus.
25. April
Uraufführung der Oper Turandot von Giacomo Puccini in Mailand.
6. Mai
Nach dem erfolgreichen Volksbegehren zur Fürstenenteignung lehnt der Reichstag den Gesetzentwurf ab
12. Mai
Reichskanzler Luther tritt zurück.
17. Mai
Wilhelm Marx (Zentrum) wird zum Reichskanzler ernannt.
13. Juni
Die SpVgg Fürth wird Deutscher Fußballmeister (4:1 im Endspiel gegen Hertha BSC Berlin).
20. Juni
Der Volksentscheid über die Fürstenenteignung scheitert, weil nur 36% der Stimmberechtigten für eine Enteignung stimmen.
6. August
Gertrude Ederle durchschwimmt als erste Frau den Ärmelkanal
24. August
Boxen: Max Schmeling wird Deutscher Meister im Halbschwergewicht.
3. September
Der Berliner Funkturm wird eingeweiht.
8. September
Deutschland wird in den Völkerbund aufgenommen.
15. Oktober
Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 1,25 Millionen gesunken.
9. Dezember
Erhard Eppler wird in Ulm geboren.
10. Dezember
Gustav Stresemann und Aristide Briand erhalten den Friedensnobelpreis.
31. Dezember
Die SPD hat 658 028 männliche und 165 492 weibliche Mitglieder in 8230 Ortsvereinen.

Ein Sozialdemokrat wird Bürgermeister

Protokollbuch Seite 59

Am 6. März wird Heinrich Heuser, Mitbegründer des Ortsvereins, zum Bürgermeister gewählt. Die Generalversammlung im April bestätigt den Vorstand im Amt. Bei der Maifeier wirkt auch in diesem Jahr der Musikverein Linkenheim mit. Gegen Jahresende ein schöner Erfolg bei den Gemeindewahlen - die SPD wird wieder stärkste Partei.

Versammlungsbericht vom 9. I. 26 in der "Krone"

Dieselbe wurde vom 1. Vorstand gegen ½ 9 Uhr eröffnet. Er begrüßte die Erschienenen, wobei er bemerkte, daß er auch wieder 1 neues Mitglied aufgenommen habe. Dann gab er die Tagesordnung bekannt. 1. Punkt Fahnenbestellung betr. Es wurden wieder 9 Stück bestellt. 2. Punkt Bildungsvorträge. Hierbei betonte der Vorsitzende,daß wir schon einmal solche veranstaltet haben, aber die Teilnehmerzahl so klein war, daß er meinte, diesmal auch aus finanziellen Gründen davon absehen zu wollen; aber bei nächster Gelegenheit, wenn sich eine größere Anzahl Teilnehmer meldet solche wieder zu veranstalten. 3. Punkt Maifeier 1926. Diese soll wieder im Rahmen der letztjährigen begangen werden. Bestimmtes wurde aber noch nicht beschlossen. 4. Punkt Abstimmung der Genossen bei der letzten Landtagswahl. Hier sprach der Vorstand sein Bedauern darüber aus daß 18 Genossen bei der Wahl ihrer Wahlpflicht nicht genügt haben und meinte es sollte doch jeder wissen was bei einer Wahl seine Pflicht ist.

5. Punkt Schulhausneubau betr. Hierbei wurde ein Antrag von Wilh. Heuser einstimmig angenommen, der es unseren Gemeinderäten zur Pflicht macht, darauf hinzuwirken in den Kulturräumen eine Badegelegenheit zu schaffen. Bei 6. Punkt Wohlfahrtslotterie wurden wieder mehrere Lose bestellt. 7. Punkt Zeitung betr. Arbeitslose. Hier gab der Vorstand bekannt, daß der Bezugspreis für diese in weitestgehendem Maße reduziert ist, und sollten dieselben diesen kleinen Betrag jetzt nicht aufbringen können, so soll der Kassier denselben einstweilen auslegen, um Abbestellungen zu vermeiden. 8. Punkt Bürgermeisterkandidatur betr. Nachdem in der vorausgegangenen Fraktionssitzung Heinrich Heuser vorgeschlagen war, sich aber bis heute Bedenkzeit ausgehalten hatte, erklärte er heute, daß er dieses Amt als Bürgermeister unter diesen Umständen nicht annehmen könne. Es wurde dann hin und her gesprochen was nun zu tun sei. Endlich einigte man sich eine Kommission zu bilden die mit der Rechtsfraktion Fühlung nehmen soll. In die Kommission wurden der Vorstand W. Funk, der Fraktionsführer Karl Nees und die Gemeinderäte F. Dürr und Fr. Günther bestimmt. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft.

Nachdem noch sonstige gemeindepolitische und wirtschaftliche Fragen erörtert waren, konnte der Vorstand mit Worten des Dankes die Versammlung gegen 12 Uhr schließen.

Der Schriftführer
Fr. Ritz

Versammlungsbericht vom 29. I. 26 in der Krone

Der Vorstand eröffnete dieselbe um ½ 9 Uhr. Er begrüßte die zahlreich Erschienenen und gab die Tagesordnung bekannt. 1. Protokoll verlesen. 2. Geschäftliches 3. Bürgermeisterfrage betr. 4. Verschiedenes. 1. Punkt wurde durch den Schriftführer erledigt. Hierzu berichtete der Vorstand zu Punkt 5 der letzten Versammlung, daß er vom Gemeinderat verständigt wurde, daß der Kostenaufwand betr. Badeinrichtung im neuen Schulhaus doch zu hoch käme. Begründung: Abwasser. Dieses abzuführen wäre bei einer Einrichtung des Bades im Gemeinde- oder sogenannten Spritzenhaus viel leichter und mit weniger Unkosten verknüpft. Da die Debatte hierüber zu weit ging wurde die Frage zurückgestellt. Bei 2. Punkt verlas der Vorstand ein Schreiben aus Berlin vom Verlag der kommunalpolitischen Zeitschrift "Die Gemeinde" welche doch jeder Gemeindevertreter lesen sollte. In der Aussprache hierüber ergab sich, wie die Probenummer die jeder schon erhalten hat bewies, daß die wirtschaftlichen und politischen Fragen die darin behandelt werden für unsere kleinen ländlichen Verhältnisse nicht verwertet werden können und wurde deshalb von einer Bestellung abgesehen. Punkt 3. wurde einstimmig beschlossen Schritte zu unternehmen, daß die Wahl so bald als möglich stattfinden soll um einer gewissen Strömung die dieselbe aufs Spätjahr zu verschleppen sucht entgegen zu treten. Auch wurde über die Kandidatur des Genossen Heinrich Heuser abgestimmt, der sich nach Gehaltsregelung des zukünftigen Bürgermeisters doch bereit erklärt hat, sich bei der Wahl aufstellen zu lassen. Die Abstimmung ergab folgendes: 21 Stimmen mit ja, 2 mit nein, 2 weiß und 1 Stimme ungültig. Beim 4. Punkt wurde über die derzeitige wirtschaftliche und finanzielle Notlage diskutiert. Fr. Günther wünscht dann einen Referenten, der über diese Fragen sprechen soll. Diesem Wunsche soll entsprochen werden. Gegen 12 Uhr konnte dann der Vorstand die Versammlung schließen.

Der Schriftführer Friedrich Ritz

Bericht über die Versammlung vom 27. Februar 1926 in der Krone

Auf der Tagesordnung standen 4 Punkte: 1. Protokoll verlesen von den letzten Versammlungen 2. Volksentscheid betr. 3. Bürgermeisterwahl betr. 4. Verschiedenes.

Der erste Punkt wurde durch den Schriftführer erledigt. Beim 2ten Punkt verlas der Vorstand Zuschriften über das Volksbegehren und brachte die Sammellisten und Plakate zur Verteilung. Eine Versammlung zum Volksbegehren soll am Sonntag 14. März im Saale zum Adler stattfinden. Beim 3ten Punkt fand über den stattgefundenen ersten Wahlgang und über den bevorstehenden zweiten Wahlgang eine rege Aussprache statt. An der Kandidatur von Heinrich Heuser wird festgehalten. Bei Punkt Verschiedenes kam auch wieder das Badeprojekt zur Sprache. Gustav Ratzel stellt den Antrag daß wir, wenn die Gemeinde kein Geld dazu hat, eine Liste auflegen sollen um Mittel zu diesem Zweck zu zeichnen, dazu soll eine Kommission gebildet werden welche die Sache näher behandeln soll.

Hiermit war die Tagesordnung erledigt und der Vorstand konnte die Versammlung schließen.

Der Schriftführer Friedrich Ritz

Im Januar hatte die SPD-Führung beschlossen, das von der KPD initiierte Volksbegehren zur Enteignung der fürstlichen Vermögen zu unterstützen. Die in der Versammlung verteilten Plakate sahen vermutlich ähnlich aus wie dieses Plakat der SPD Berlin.

Bürgermeisterwahl

Am 6. März wurde Genosse und Mitgründer unseres Ortsvereins Heinrich Heuser mit 34 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

Der Schriftführer Fr. Ritz

Bericht von der Generalversammlung 17. April 1926

Auf der Tagesordnung standen 5 Punkte: 1. Jahresbericht 2. Maifeier 1926 3. Geschäftliches 4. Neuwahl 5. Verschiedenes.

Gegen ½ 10 Uhr konnte der Vorstand die um ½ 9 Uhr angesetzte Versammlung eröffnen. Mit Bedauern mußte er feststellen, daß von 38 Mitgliedern nur 18 erschienen sind. Dann gab er die Tagesordnung bekannt. Zum 1. Punkt gab er einen kurzen Überblick über den derzeitigen Stand des Vereins. Mitgliederstand war am Anfang des Jahres 37. Abgang durch Wegzug 2, Zugang 3 sodaß wir jetzt 38 Mitglieder zu verzeichnen haben. Sodann verlas der Schriftführer auf Wunsch der Mitglieder nur das Protokoll der letzten Versammlung da immer bei den Versammlungen dasselbe der vorhergehenden verlesen wurde. Dann erstattete der Kassier den Kassenbericht, welcher einen Überschuß der Lokalkasse von 18,96 M aufwies.

Zum 2. Punkt Maifeier betr. machte der Vorstand den Vorschlag daß wir zu dieser Feier einen Referenten bestellen und alle Freunde und Anhänger unserer Partei dazu einladen wollen. und vielleicht der hiesige Musikverein etwas zur Unterhaltung beitragen solle. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

Zum 3. Punkt verlas der Vorstand eine Zuschrift des Parteisekretariats über den derzeitigen Stand der Landesorganisation und den Verkauf des neuen Heidelberger Parteiprogramms. Letzterer wurde dann auch wie in der Zuschrift vorgeschlagen vorgenommen.

Bei Punkt 4. Neuwahl betr. gab es anfangs Schwierigkeiten. Da der 1. Vorsitzende hauptsächlich durch den heutigen schlechten Besuch mißmutig war und nicht mehr der Führer sein wollte. Die Mitglieder waren aber anderer Meinung und haben diesen alten erprobten Kämpfer, der sich seinen Aufgaben denen er sich bis jetzt immer so gewissenhaft entledigte, bewußt ist einfach wiedergewählt. Dann machte Genosse Bürgermeister Heuser den Vorschlag daß wir den gesamten Verwaltungsrat wiederwählen. Diesem Vorschlag wurde entsprochen und einstimmig alles wiedergewählt.

Bei Punkt Verschiedenes wurde Genosse Julius Nagel als Nachfolger von Bürgermeister Heuser im Bürgerausschuß vorgeschlagen. Sodann kamen allerlei undurchsichtige Sachen vom Konsumverein betr. Rechnungswesen zur Sprache. Dann brachte Genosse Emil Ratzel eine Anfrage über die Arbeitsverhältnisse der am neuen Graben beschäftigten Arbeiter. Hierüber gab Bürgermeister Heuser Auskunft.

Schluß der Versammlung gegen ½ 1 Uhr.

Schriftführer F. Ritz

Maifeier

Die diesjährige Maifeier fand unter Mitwirkung des hiesigen Musikvereins im Lokal z. Adler statt.

Im Protokollbuch muß von dieser Feier festgehalten werden: 1. die vortreffliche Festrede des Genossen Stadtrat Flößer Karlsruhe und 2. der schlechte Besuch der hiesigen Arbeiterschaft

Der Schriftführer F. Ritz

Versammlungsbericht vom 29/5 26 in der Krone

               Tagesordnung:

1. Punkt  Bericht von der Maifeier

2.   "      Stellungnahme zu den Kirchenwahlen

3.   "      Verschiedenes

Bei 1. Punkt berichtete der Kassier daß einer Einnahme von 14,10 M eine Ausgabe von 20,50 M gegenüber stehen, was aus der Lokalkasse beglichen werden soll, und wurde gewunschen, diese Sache nächstes Jahr wieder auszugleichen.

Zum 2. Punkt sollen sich Genossen zu den Kirchenwahlen hergeben. Alb. Hesselschwerdt erklärte sich bereit in dieser Sache mit Pfarrer Kappes Fühlung zu nehmen.

Beim 3ten Punkt Verschiedenes wurden wichtige Angelegenheiten geregelt und trotzdem nur die Hälfte der Mitglieder anwesend war fand eine rege Diskussion statt. Die Versammlung konnte um 12 Uhr geschlossen werden.

Der Schriftführer Friedrich Ritz

Versammlungsbericht vom 11. September 1926 in der Krone

Tagesordnung: 1. Punkt Rückblick auf unsere Bewegung. 2. Punkt Verschiedenes. Zum 1. Punkt verliest der Schriftführer die Protokolle der letzten Versammlungen und der Maifeier welche nicht beanstandet wurden.

Beim 2. Punkt berichtete Friedrich Günther über die Bezirkskonferenz [Einfügung: Gebäudesondersteuer, Grunderwerbssteuer]. Sodann verlas der Vorstand eine Zuschrift über den Verkauf von Volkskalendern und über die bevorstehenden Gemeinde-, Bezirks- und Kreiswahlen. Zu Bezirks- und Kreisabgeordneten wurden die Genossen Friedrich Dürr und Karl Nees vorgeschlagen. Dann brachte der Vorstand einen Brief von Pfarrer Kappes über die Kirchenwahlen zur Kenntnis. Aus diesem ging hervor, daß dem Volkskirchenbund, den Synodalwahlen entsprechend 8 Sitze im Kirchenausschuß und 1 Kirchengemeinderatssitz zustehen. Es wurden entsprechende Vorschläge gemacht um eine Vorschlagsliste einzureichen.

Sodann wurde eine Kommission gewählt die die Vorarbeiten zur Listenaufstellung zu den Gemeindewahlen machen soll.

Der Schriftführer
Fr. Ritz

Versammlungsbericht vom 9. Oktober im Lamm

Tagesordnung: 1. Punkt Stellungnahme zu den Kirchenwahlen
                       2. Punkt      "                 "    "   Gemeindewahlen

Zum 1. Punkt berichtete Alb. Hesselschwerdt daß unser Dekan Gaus mit seinen Getreuen unsere vorgeschlagene Liste aufgrund von Kirchengesetzesparagraphen wenn wir nicht einen Personenwechsel vornehmen nicht angenommen werden kann. Er setzte sich dann mit einigen Genossen in Verbindung und hat es dann erreicht daß uns die zustehenden Sitze zugestanden wurden. Beim 2. Punkt wurde die von der Kommission aufgestellte Liste zu den Gemwindewahlen mit unwesentlichen Veränderungen angenommen.

Hiermit war die Tagesordnung erschöpft.

Der Schriftführer Fr. Ritz

Versammlungsbericht vom 23. Okt. im Lamm

Tagesordnung: Besprechung über die Gemeindewahlen und die aufgestellten Listen. Dabei betonte Genosse Fr. Günther die schon einmal vorgeschlagene Bürgerversammlung abzuhalten um dort den Gemeindebürgern Aufschluß zu geben über Umlagefuß u.s.w. Diesem Wunsche wurde entsprochen und 1stimmig der Beschluß gefaßt, daß dieselbe anberaumt werden soll. Nachdem noch sonstige die Wahl betreffende Fragen erörtert waren konnte der Vorstand die Versammlung schließen.

Der Schriftführer
Fr. Ritz

Bericht über die Gemeindewahlen am 17. November 1926

Wahlvorschlag 1926

Gemeindewahlen 1926: Vorschlagsliste der SPD

Wie auf beigelegter Vorschlagsliste zu ersehen, hatten wir diesmal 48 Kandidaten aufgestellt. Der Entschluß soviele Kandidaten aufzustellen als Gemeindeverordnete zu wählen sind, ist auf die Umstände die sich bei der letzten Wahl 1922 ergeben haben zurückzuführen. Näheres Seite 41 des Protokollbuchs. Trotzdem diesmal 4 Parteien ihre Vorschlagslisten eingereicht hatten, hingegen bei der letzten Wahl wo es nur 2 waren, konnten wir als stärkste von den 4 Parteien aus der Wahl hervorgehen und 2 Gemeinderäte und 15 Bürgerausschußmitglieder aufs Rathaus schicken.

Der Schriftführer
F. Ritz

1925  nach oben 1927

Unsere Grundwerte: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität

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