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Chronik 1919

1919

1. Januar
Einführung des Achtstundentags im Deutschen Reich.
Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
5. Januar
Beginn des Januaraufstandes in Berlin.
Gründung der antisemitischen Deutschen Arbeiterpartei (DAP). Die DAP benennt sich 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) um.
5./12. Januar
Wahlen zur badischen verfassungsgebenden Landesversammlung ("badische Nationalversammlung").
15. Januar
Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg werden in Berlin ermordet.
19. Januar
Wahl der verfassungsgebenden Nationalversammlung. Die SPD wird mit 165 von 423 Mandaten stärkste Fraktion.
11. Februar
Die Nationalversammlung wählt Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten, der Philipp Scheidemann mit der Regierungsbildung beauftragt.
7. April
Ausrufung der Räterepublik in München.
2. Mai
Nach blutigen Straßenschlachten endet die Münchner Räterepublik mit der Besetzung Münchens durch regierungstreue Verbände.
7. Mai
Übergabe des Entwufs für den Versailler Vertrag. Die Friedensbedingungen werden als niederschmetternd empfunden, die geforderten Reparationszahlungen übersteigen alle Befürchtungen.
20. Juni
Das Kabinett Scheidemann tritt zurück.
21. Juni
Der Sozialdemokrat Gustav Bauer bildet eine neue Reichsregierung aus SPD und Zentrum.
28. Juni
Unterzeichnung des Versailler Vertrages.
31. Juli
Mit 262 gegen 75 Stimmen wird die "Weimarer Verfassung" von der Nationalversammlung verabschiedet.
12. September
Adolf Hitler besucht eine Versammlung der antisemitischen DAP. Wenige Tage später tritt Hitler der DAP bei.

Geburtswehen der Republik

Protokollbuch Seite 17

Die Regierungsbeteiligung der SPD in einer Koalition mit bürgerlichen Parteien löst heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Sozialdemokratie aus, die auch vor Linkenheim nicht halt machen. Während bei den Wahlen zur badischen Nationalversammlung mehr als 50% der Stimmen erreicht werden, ist das Ergebnis der Gemeindewahlen enttäuschend.

Versammlungsbericht vom 17. I. 1919

Bei der Mitgliederversammlung vom 17. Januar wurde nach lebhafter Debatte der Beschluß gefaßt, daß die Mitglieder, welche während des Krieges während der Zeit sie nicht Soldat waren, für jedes Jahr sie Rückständigen Beitrag schulden, 1 M an den Wahlverein der Soz. demokr. Partei zu zahlen haben, andernfalls die in Betracht kommenden Mitglieder als gestrichen in Betracht kommen.

Aufnahmen wurden fünf gemacht. Die Stimmzettel und Flugblattverbreitung wurde am 5. I. zu den bad. Nationalwahlen zum Teil gemeinsam ausgeführt, wo wir mit dem Resultat sehr zufrieden sind. Von 997 Wahlberechtigten stimmten 497 für die soz. Partei, 320 für die Christliche V. P. und 95 für die Dem. Partei, 2 Unabh. Soz., 1 Zentrum. 82 stimmten nicht ab. Infolgedessen erhielten wir 79 Stimmen mehr wie die bürgerlichen Parteien zusammen, was wir im Verhältnis zum Frauenwahlrecht als sehr gut bezeichnen dürfen.

Wilhelm Funk, Schriftführer

Versammlungsbericht vom 6. April 1919

Bei der heutigen Mitgliederversammlung, welche stark besucht war, wurde sehr lebhaft debattiert über die Haltung unserer Führer und über ihre Abweichung vom Parteiprogramm, was bei uns zum Austritt von 6 Genossen führte. Infolge dessen wurde einstimmig beschlossen, für die Dauer von 1 Jahr vorläufig aus der Landesorganisation auszutreten als Protest für die Haltung unserer Führer; und wir heute noch 54 Mitglieder haben. In Anbetracht der kommenden Gemeindewahlen wurde eine 7gliedrige Kommission gewählt, welche die Vorarbeiten zu den Vorschlagslisten ausarbeiten soll.

Wilhelm Funk, Schriftführer

Bericht von der Kommissionssitzung vom 27. 4. 1919

Durch die Haltung der Mehrheitssozialisten zum Erfurter Programm glaubten einige Gen., sich auch hier spalten zu müssen und bildeten einen Wahlverein der Unabh. Soz. Um aber geschlossen vorgehen zu können bei den Gemeindewahlen innerhalb der Arbeiterschaft einigten wir uns, und stellten ¼ der Unabh. Soz. und ¾ von unserer Seite auf, und einigten uns, gemeinsam u. energisch zu agitieren, um einen schönen Erfolg zu erzielen.

Wilhelm Funk, Schriftführer

Ergebnis der Gemeindewahlen

Durch die Revolution erhielten auch wir auf politischen Gebiet einen Fortschritt, indem wir auch zu den Gemeindewahlen das allgem., gleiche u. direkte Wahlrecht für alle über 20 Jahre alte Deutsche beiderlei Geschlechts erhielten. Als erste Gemeindewahl war die Bürgerausschußwahl, in welcher wir von 48 Mandaten nur 16 erhielten, die Demokraten 8 und die Bürgerliche Rechte 24, und bei der Gemeinderatswahl erhielten wir von 6 Mandaten 2, Gen. Aug. Stober u. Gen. Fr. Dürr, während die Demokr. 1 und die Bürgerliche Rechte 3 Sitze erhielten.

Bei der Bürgermeisterwahl am 23. Juni erhielten unser Kandidat Gen. A. Stober 26 Stimmen und Alb. Heuser 28 Stimmen, womit letzterer gewählt ist, mit dem Erfolg, vermutlich 1 Stimme von unserer Seite bekommen zu haben, da wir zusammen mit den Demokr. über 27 Stimmen verfügten und auch die Unterstützung der 9 Demokr. am Abend vorher versichert wurde. Da wir im Verhältnis von früher jetzt ein Fiasko erlitten, ist um so notwendiger in Zukunft entschlossener und tatkräftiger für unsere gerechte Sache zu agitieren.

Linkenheim, den 13. Juli 1919

Wilhelm Funk, Schriftführer

Versammlungsbericht vom 9. November 1919 (Revolutionsjahrestag)

Da auf Antrag einiger Parteigenossen eine Versammlung einzuberufen stattgegeben wurde, fand am 9. Nov. im Saale im Lamm eine Mitgliederversammlung statt mit folgender Tagesordnung.

1. Einziehung der Beiträge 2. Bestimmung eines Mitglieds zur Lebensmittelkommission, wozu jede Bürgerausschußfraktion ein Mitglied ernennen soll u. als 3. Punkt Verschiedenes.

Durch die träge Haltung der hiesigen Arbeiterschaft betreffs der politischen Entwicklung in unserem Orte und in unseren Regierungen wuchs die Unzufriedenheit auch unter den Parteigenossen hier, was in der Versammlung stark zum Ausdruck kam; trotzdem die Versammlung nur mäßig besucht war.

Die Einkassierung der Monatsbeiträge ging langsam vor sich, da die große Mehrzahl ihre finanziellen Pflichten bis zum Jahresschluß erledigten. Beim zweiten Punkt wurde nach langem Hin und Her Genosse W. E. Lang gewählt der in der Kommission besonders das Interesse der Versorgungsberechtigten ins Auge fassen soll. Bei Punkt Verschiedenes ging es sehr lebhaft zu, wobei unsere Genossen im Gemeinderat z. Teil manches unangenehmes hören mußten.

Die Versammlung konnte, nachdem die Tagesordnung erschöpft war, vom Vorsitzenden nach stürmischem Verlauf um ½ 7 Uhr geschlossen werden.

Wilh. Funk, Schriftführer

1918  nach oben 1920

Unsere Grundwerte: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität

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